Ist ein Stromspeicher ohne Solar klimafreundlich?
Kurzantwort: Kann sein, muss aber nicht. Ein Speicher ohne Solaranlage erzeugt keinen sauberen Strom – er verschiebt nur, wann du Netzstrom nutzt. Ob das dem Klima hilft, hängt davon ab, wie sauber der Strom beim Laden im Vergleich zum Entladen ist. Die Verluste und die Herstellung des Akkus stehen auf der Gegenseite.
Drei Effekte, die sich gegenüberstehen
| Effekt | Wirkung | Größenordnung |
|---|---|---|
| Zeitliche Verschiebung | positiv, wenn beim Laden mehr Wind- und Solarstrom im Netz ist als beim Entladen | abhängig von der Stunde – der Strommix schwankt im Tagesverlauf deutlich |
| Wandlungsverluste | negativ: Für 1 kWh aus dem Speicher müssen 1,15–1,3 kWh geladen werden | 15–22 % Mehrverbrauch bei AC-Speichern |
| Herstellung | negativ, einmalig | rund 62–212 kg CO₂-Äquivalent pro kWh Speicherkapazität (FfE, zitiert nach HTW Berlin) |
Die Schwelle: Wann wird es klimafreundlich?
Bei einem AC-Speicher mit 80 % Wirkungsgrad muss der Strom beim Entladen rund 25 % CO₂-intensiver sein als beim Laden, damit überhaupt ein Plus herauskommt (HTW Berlin). Bei 85 % Wirkungsgrad sind es knapp 18 %. Zum Vergleich: Der deutsche Strommix lag 2025 im Jahresmittel bei rund 344 g CO₂/kWh (Umweltbundesamt, Schätzung) – aber mit großen Schwankungen zwischen windigen Nächten, sonnigen Mittagen und windstillen Winterabenden.
Zwei Beispielrechnungen
Annahme: Ein Speicher mit 85 % Wirkungsgrad gibt im Jahr 1.000 kWh ab und muss dafür rund 1.176 kWh laden.
| Günstiger Fall | Ungünstiger Fall | |
|---|---|---|
| CO₂-Intensität beim Laden | 250 g/kWh (viel Wind/Sonne) | 330 g/kWh |
| CO₂-Intensität beim Entladen | 420 g/kWh (Abendspitze) | 360 g/kWh |
| Emissionen beim Laden | 294 kg | 388 kg |
| Vermiedene Emissionen beim Entladen | 420 kg | 360 kg |
| Bilanz pro Jahr | 126 kg eingespart | 28 kg mehr Ausstoß |
Im günstigen Fall bräuchte ein 5-kWh-Speicher mit 310–1.060 kg Herstellungs-Emissionen etwa 2 bis 8 Jahre, um seine Herstellung auszugleichen. Im ungünstigen Fall nie. Die Zahlen sind Beispiele, keine Messung.
Was in der Praxis dafür spricht
- Preis und CO₂ hängen zusammen: Günstige Börsenstunden sind in Deutschland oft Stunden mit viel Wind- und Solarstrom, teure Abendstunden werden häufiger von fossilen Kraftwerken gedeckt. Ein Speicher, der nach Preis lädt, lädt deshalb tendenziell in saubereren Stunden.
- Netzentlastung: Mit §14a-Modul 3 verschiebt der Speicher Verbrauch aus den Spitzenzeiten des lokalen Netzes. Das kann teuren Netzausbau und Abregelung von Solarstrom verringern – ein Systemnutzen, der in einer CO₂-Rechnung pro Haushalt nicht auftaucht.
Was dagegen spricht
- Verluste sind sicher, der Nutzen nicht: Die 15–22 % Mehrverbrauch fallen immer an. Der Vorteil durch sauberere Ladestunden schwankt von Tag zu Tag.
- Durchschnitt ist nicht Grenzwert: Entscheidend ist eigentlich, welches Kraftwerk zusätzlich hoch- oder herunterfährt, wenn du lädst oder entlädst. Das lässt sich für einzelne Haushalte kaum genau bestimmen.
- Effizienz zählt mehr als Größe: Ein Gerät mit hohem Wirkungsgrad und wenig Standby ist klimatisch klar besser – die HTW-Studie zeigt, dass ineffiziente Systeme selbst mit Solaranlage schlechter abschneiden können als gar kein Speicher.
Unser Fazit
Kauf einen Speicher ohne Solaranlage aus wirtschaftlichen Gründen oder für Notstrom – nicht als Klimaschutzmaßnahme. Wenn er schon da ist: Ein Gerät mit gutem Wirkungsgrad, Laden in Stunden mit viel erneuerbarem Strom und zeitvariable Netzentgelte machen ihn eher klimaneutral bis leicht positiv. Ein Balkonkraftwerk oder ein Ökostromtarif hat eine deutlich klarere Klimawirkung.
Quellen
- Umweltbundesamt: CO₂-Emissionen pro Kilowattstunde Strom 2025
- HTW Berlin (Weniger 2019): Sind Solarstromspeicher Klimaschützer?
Häufige Fragen
Nicht automatisch. Er hilft nur, wenn er in Stunden mit deutlich saubererem Strom lädt als er entlädt – bei 85 % Wirkungsgrad muss der Unterschied rund 18 % betragen. Verluste und Herstellung wirken dagegen.
Studien nennen rund 62 bis 212 kg CO₂-Äquivalent pro kWh Speicherkapazität, für einen 5-kWh-Speicher also etwa 310 bis 1.060 kg.
Das Umweltbundesamt schätzt ihn für 2025 auf rund 344 g CO₂ pro Kilowattstunde, mit starken Schwankungen im Tagesverlauf.